Aktuelles

04.12.2017 - Stellungnahme zum Verordnungsentwurf der Landesverordnung über die NATURA 2000- Gebiete im Land Sachsen-Anhalt (N2000-LVO LSA)
öffentliches Beteiligungsverfahren, Beteiligung der Träger öffentlicher Belange
Stell_Allg_VO_Natura2000_BDF.pdf
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Rechtsberatung für dbb Mitglieder

Termine für 2018

Der dbb führt für die Einzelmitglieder der Mitgliedsgewerkschaften berufsbezogenen Rechtsschutz (Beratungs- und Verfahrensrechtsschutz) durch.

08.01.2018                 Magdeburg

12.02.2018                 Magdeburg

12.03.2018                 Halle

09.04.2018                 Magdeburg

14.05.2018                 Magdeburg

11.06.2018                 Magdeburg

09.07.2018                 Magdeburg

10.09.2018                 Magdeburg

08.10.2018                 Halle

12.11.2018                 Magdeburg

10.12.2018                 Magdeburg

Die Beratungen finden in Magdeburg in der dbb Geschäftsstelle, Schleinufer 12, 39104 Magdeburg, Tel.: (03 91) 5 61 94 50 und in Halle in der Geschäftsstelle der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL), Rudolf-Ernst-Weise-Straße 14, 06112 Halle, Tel.: (03 45) 2 02 33 55, statt.

Anmeldungen bitte telefonisch über die dbb Geschäftsstelle in Magdeburg.

„Wald und Förster Fit für den Wandel“

Landesverbandstag am 14.07.2017 im Haus des Waldes

 

Wandel: ein komplexer Begriff der alle Bereiche des Lebens betrifft!

Abstrakt ist darunter Veränderung – Transformation – Modulation – Korrektur zu verstehen.

Wir sprechen von Globalem, Demografischen, Digitalen Wandel. Vom Wandel im Wald – Waldumbau oder vom Wandel der Strukturen bis hin zum Klimawandel. Ich möchte zunächst einen anderen schleichenden aber ständig voranschreitenden Wandel beleuchten. 

Der Beruf des Försters gehört zu den traditionsreichsten in Deutschland, dies ist dem Energieträger Holz,  dem ältesten der Menschheit, mehr oder weniger geschuldet.

Die  besondere  Eigenart  einer Forstverwaltung und damit der Förster hat in der Vergangenheit zu einer gewissen Verselbständigung gegenüber der Regelverwaltung  und  Einrichtung  einer  forstlichen Sonderverwaltung geführt (der StFB oder die Einheitsforstverwaltung geprägt durch hoheitliches, forstfachliches, wirtschaftliches, jagdliches, beratendes und betreuendes, ökologisches Handeln und Denken mit polizeilichen Befugnissen ausgestattet,  Generationsübergreifend agierend). Diese Sonderverwaltung wurde durch Evaluierungen von Forstverwaltungssystemen  und  Forstreformen an bestehende Regelverwaltung angepasst, ohne Berücksichtigung der Spezifika einer  Forstverwaltung. Eine umfassende und langfristig angelegte  Wirkungsanalyse  fehlte in der Regel. Langzeitwirkungen und vielfältige Nebeneffekte blieben so unberücksichtigt und bedurften nachträglicher Regelungen. (Z.B. bei der Verlagerung der Hoheit an die Landkreise oder Verwaltungsvereinbarungen zw. den Betrieben!) – dies soll kein Plädoyer auf die Einheitsverwaltung werden. Aber in Bezug auf Veränderungen sollten „Langzeitbetrachtungen“ u.a. den Blick darauf nehmen,  welche  Auswirkungen  Evaluierungen auf das besondere forstliche Berufsethos (Wirkung von Veränderungen auf innere Einstellungen) haben und wie sie auf forstliche Aufgaben und Produktionsprozesse langfristig wirken.

Für  die  Effizienz  und Verwaltungskultur einer Forstverwaltung ist das Berufsethos der Förster prägend.  Es  gibt berufstypische  Mentalitätsmerkmale  von  Förstern im Sinne eines häufig auftretenden försterlichen  Berufsethos.  Dieses  kann  durch die  Elemente  „Waldliebe“,  Konservatismus  und Traditionsverbundenheit, Abkapselung, Gemeinschaftsgefühl und Berufsstolz beschrieben werden. Die zurückliegenden Forstreformen haben dem (hohen) försterlichen Berufsethos geschadet. Dies sind z.T. schleichende Prozesse die still und ruhig verlaufen und sich durch Resignation, nur noch was unbedingt nötig ist, warten auf die Rente oder es war ja so gewollt zum Ausdruck kommt. Oder schlagartige Veränderungen die ihren Ausdruck finden in die Versetzung in die Agrar.- oder Umweltverwaltung.

Welche Motivation bleibt, wenn der Wandel vom Förster zum Ökosystemmanager vollzogen ist – was für ein Schwachsinn – oder vom Förster zum reinen Dienstleister oder ausschließlicher Verwaltungsmitarbeiter. Andererseits in Medien und Teilen der Bevölkerung verunglimpft als monokulturen unterhaltende kahlschlagsorientierte Egoisten, die rücksichtslos profitorientiert die Natur zerstören und auf Trophäen aus sind.

Diesen Wandel zu ertragen setzt ein hohes Maß an persönlicher Standhaftigkeit voraus.

Wenden wir uns vom sentimentalen Wandel den Erfordernissen der Zeit zu.

Es geht hier um die Fragen sind wir personell, strukturell und fachlich auf die Herausforderungen die vor uns stehen, ausreichend vorbereitet bzw. entwickeln wir uns in eine Richtung die gewährleistet, dass zukünftige Fragen und Probleme qualifiziert, nachhaltig und zukunftsweisend gelöst werden können. Um dies zu beantworten möchte ich folgende Prozesse darlegen!

Der Globale, der Demografische, der Digitalen Wandel sind Kernprozesse, die konzentriert wirken und auf die entsprechend zu reagieren ist.

Die Betriebe der deutschen Forst- und Holzwirtschaft sind in die globalen Holzmärkte eingebunden. Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits können sie ihre Produkte in anderen Ländern absetzen, andererseits erhöht sich auch im Inland die Konkurrenz. Für eine erfolgreiche Forst- und Holzwirtschaft ist es daher unverzichtbar zu wissen, wie sich die internationalen Holzmärkte entwickeln und welche Folgen dies für die inländischen Betriebe hat.

Im Kontext weltweiter Verluste an Waldflächen und Initiativen, die eine nachhaltige und legale Waldbewirtschaftung fördern, sind vor allem die deutschen Einfuhren aus tropischen Ländern bzw. an Tropenholz von Interesse. Nach Werten erwirtschaftet die deutsche Holzwirtschaft noch einen Exportüberschuss nach Holzmengen ein deutlichen Importüberschuss.

Global gesehen gilt folgendes zu berücksichtigen:

Konzentration der Märkte:  die zurzeit 5 größten Unternehmen machen ¼ des Weltumsatzes aus mit steigender Tendenz. Papier ist das Hauptprodukt der globalen Holz- und Forstwirtschaft (Papier 43%, Schnittholz 30%, Plattenindustrie 27%)

Südlich des Äquators steht das Holz der Zukunft. Dabei muss man heute sehen, dass 50% als Brennholz und Holzkohle insbesondere durch die Entwicklungsländer verbraucht werden. 80% der industriellen Holzverarbeitung finden aber in Europa, Nordamerika und Asien statt. Für die Entwicklung der Märkte ist aber die Holzverfügbarkeit der alles entscheidende Schlüssel!

Von bestehenden Holzvorräten auf die Holzverfügbarkeit zu schließen ist für jene Regionen, in denen das zu erntende Holz nicht aus Plantagen stammt, außerordentlich schwierig. Gerade in Deutschland hat sich gezeigt, dass die Mobilisierung von Holzreserven nicht nur eindimensional von den Holzerntekosten abhängt, sondern dass  auch sozio-ökonomische Komponenten wie die Eigentumsart, Eigentumsgröße, Einkommenssituation des Eigentümers und Identifikation des Eigentümers mit Wald als Eigentum, eine sehr gewichtige Rolle spielen. (BETREUUNG! – langfristige Betrachtung und deren Folgen)

Generell kann aber gesagt und erwartet werden, dass Plantagen die höchste Effizienz in Bezug auf Nutzung und Zuwachs aufweisen, während die Naturwälder der nördlichen Halbkugel ein generelles Problem darin haben werden, ein entsprechend hohes Nutzungsprozent des Holzzuwachses zu realisieren. Dies zeigt sich auch in der zunehmenden Bedeutung des Einsatzes von Laubholzhackgut. Die Eucalyptusplantagen der Südhalbkugel bedienen nicht nur regionale Papierfabriken, in zunehmenden Maße wird Eucalyptushackgut auch weltweit verschifft. Ein Vergleich der globalen Holzrohstoffpreise für die Papiererzeugung zeigt, dass Plantagen der Südhalbkugel Holz zu konkurrenzlos niedrigen Preisen produzieren können. Verantwortlich für diese niedrigen Holzpreise sind:

•Niedrigste Lohn- und Gehaltskosten

•Hohe Reproduktionsraten durch intensivste Produktion a la Landwirtschaft mit enormen Einsatz an Chemie und Düngunger

•Geringe Holzerntekosten (trotzdem auch motormanuell geerntet wird)

•Niedriges Niveau der Umweltstandards

Zunehmend bei der Darstellung der Holzpreisentwicklung durch internationale Beratungsfirmen wird ein Wechsel in der globalen Holzproduktion weg von den borealen Wäldern hin zu den subtropischen Plantagen vorhersagt. Dies wird unter anderem durch die Einbeziehung der Umweltaspekte in Mitteleuropa forciert  z.B. durch die sich in Europa abzeichnende intensivierte Diskussion in Richtung einer Nutzungseinschränkung zugunsten einer Biodiversitätserhöhung.

Zur Zeit ist es Dank einer hoch kostenorientierten Forstwirtschaft und einer sehr professionell agierenden Säge-, Platten und Papierindustrie gelungen Gewinne zu erwirtschaften. Der Konkurrenzdruck wird aber in Zukunft steigen und global die Rohstoffpreise von Holz weiter unter Druck setzen. Auch wenn jetzt kurzfristig aufgrund der lokalen Holzknappheit in Mitteleuropa die Holzpreise steigen, so wird dies ganz sicher nicht zu einer langfristigen Holzpreiserhöhung führen. Dies bedeutet, dass wir uns forstpolitisch wesentlich stärker auf diesen Wandel vorbereiten müssen. Dies sollte nicht Rückzug aus der Nutzung oder Personalabbau en gros bedeuten, sondern Mobilisierung der Holzreserven.

Der Demografische Wandel: Fakt ist, dass die Altersstruktur in der Forstverwaltung in Sachsen-Anhalt eine der schlechtesten in Deutschland ist, mit den Folgen extremer Krankenstände oder einer gravierenden Bildungsstagnation. Der öffentliche Waldbesitz vergibt zunehmend Aufträge an forstliche Dienstleistungsunternehmen und kompensiert so seine abnehmenden und älter werdenden Personalbestände. Dies erfolgt mittlerweile in allen Bereichen und gipfelt in einer unsäglichen Leiharbeiter Situation. Es wird gut ausgebildetes Personal zwar gefordert, aber man ist andererseits nicht bereit bei der Auftragsvergabe höher qualifizierte Leistungen entsprechend zu honorieren. Dies führt zu höheren Unfallzahlen, steigenden Bestandesschäden und negativen ökologischen Folgen in der Waldarbeit. In den anderen der Forstverwaltung typischen Bereichen ist ein ständig fortschreitender Rückzug von Aufgabe und Dienstleistungen zu verzeichnen. Die langfristigen Folgen für die Waldwirtschaft und den Wald werden sich gravierend negativ auswirken. Daher sind die derzeit laufenden Evaluierungsprozesse äußerst kritisch zusehen, denn Partizipation obwohl mehrfach eingefordert scheint ein Fremdwort geworden zu sein. Ist es Arroganz, Ignoranz oder einfach nur Verantwortungslosigkeit gegenüber zukünftiger Generationen oder dem ländlichen Raum.

Der digitale Wandel:

Von Beginn der digitalen Änderungen hat die Forstwirtschaft sich stets innovativ und kreativ den neuen Herausforderungen gestellt. Neuste Rechentechnik, Datenbanken, digitales Kartenwesen, zentrale vernetzte Strukturen, Einsatz von Luft und Sattelitenbildern usw. usw. haben permanent zur Umwälzung in der Verwaltung von Wald stattgefunden. Ausbau der Leitungskapazitäten, Logistik – Navigation, Abfuhrmanagement,  Kundenorientierte Schnittstellenprogrammierung bis hin zum Einsatz mobiler GIS- Systeme waren die Herausforderungen der letzten Jahre. Heute geht es um Entwicklung und Einsatz Web- basierter, GPS tauglicher Soft- und Hardware. Das Tempo des digitalen Wandel ist enorm. Zunehmend kann konsterniert werden, dass es heute weitaus schwieriger wird mit dem rasanten Tempo Schritt zu halten. Die Bewältigung des digitalen Wandel hat ganz entscheidend mit den Folgen des demografischen Wandel zu tun. Die Bildungsstagnation bedingt durch die Demografie wird an dieser Stelle am deutlichsten Sichtbar. Hier Schritt zu halten erfordert in allen Bereichen junges, motiviertes Personal.

Last but not least der Klimawandel. In Bezug auf die Entwicklung und Bewirtschaftung unserer Wälder ein zentrales Thema. Hierauf speziell heute einzugehen wäre sicherlich zu kurz gesprungen. Somit möchte ich es beim Benenne belassen. In den Fachvorträgen wird sicherlich dass Eine oder Andere zu den Auswirkungen und Randerscheinungen zu hören sein. 

Der Wandel im Landeswald Sachsen-Anhalt:

1993 hatten wir im Landeswald einen Anteil an Nadelholz von 61%. Heute liegt der Nadelholzanteil bei 44%. Auf 23000 ha = 17% der Landeswaldfläche fand ein Wechsel von nadelholzdominierten Beständen hin zu laubholzreichen Mischwälder statt. Ähnlich vollzog sich dieser Wechsel auch im Gesamtwald ST. Im Landeswald waren 1993 75% der Bestände Einschichtig – heute sind es knapp 60%, der Anteil der Reifephase (< 50 cm) hat von 22% auf 28% zugenommen. Das durchschnittliche Alter über alle Baumartengruppen ist von 57 Jahren, 1993 auf heute 74 Jahre angestiegen. Der Holzvorrat ist von 225 Vfm/ha auf 260 Vfm/ha angewachsen. 1,5 % oder 2222 ha im Landeswald waren 1993 ohne Nutzung heute sind es 11343 ha oder 8,3 % des Landeswaldes (ohne Stiftungen des Bundes, des Landes die nach Waldgesetz Sachsen-Anhalt Staatswald sind). Ca. 14.000 ha müssen es bis zur Zielerreichung von 10% Stilllegung im öffentlichen Wald sein. Bis 2022 kommen 1650 ha im Nationalpark hinzu. Somit sind noch 2000 – 2500 ha offen, die aus Flächen der Stiftungen oder des LFB eruiert werden müssen. Um 5% der Gesamtwaldfläche in ST still zu legen sind ca. 25.000 ha Wald von Nöten. Nehmen wir die 14000 ha öffentlichen Wald in ST sind weitere 11.000 ha in die Betrachtung zu ziehen. Privatwald, Kommunalwald, Bundeswald und der Wald des Nationalen Naturerbe der DBU und anderer Stiftungen bzw. Verbände. Offiziell sind derzeit nur 1000 ha davon als gesichert zu betrachten. Die Potentiale liegen allein bei DBU, WWF, NABU und BUND aber bei mindestens 15.000 ha in ST. Bemerkenswert ist, dass 1400 ha potentielle Stilllegungsflächen, die von der Bundesimmobiliengesellschaft an das Land kostenlos übertragen hätten werden können, abgelehnt wurden.

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Bund Deutscher Forstleute Sachsen-Anhalt e.V.